Kopfhörer EarFun Air Pro 4+
Typ: In-Ohr, geschlossen, Bluetooth, ANC
Bewertung:
Eigentlich sollte ich nach den Versuchen mit Drahtlos-Kopfhörern der letzten Jahre geheilt sein, aber ich gebe ihnen noch einmal eine Chance, weil sie ja durchaus über einige grundsätzliche Vorteile verfügen. Diesmal greife ich jedoch nicht zu überteuerter „Markenware“, sondern kaufe direkt da, wo am Ende mittlerweile sowieso alles herkommt: beim China-Anbieter. Nach umfangreicher Recherche wurde es das Modell EarFun Air Pro 4+.
Als Vergleichsmaßstab für diesen „Test“ wurden ein Philips Fidelio T1 (Im-Ohr, drahtlos), ein Sennheiser IE8 (Im-Ohr, kabelgebunden) sowie ein Bowers & Wilkins PX7 S2 (Über-Ohr, drahtlos) herangezogen.
Positiv
Auch wenn die Lade-Box aus billig anmutendem Kunststoff daherkommt, ist sie doch angenehm kompakt und handschmeichelnd abgerundet. Die Kopfhörer (KH) lassen sich gut entnehmen und auch wieder einsetzen, per Magnetkraft werden sie automatisch in die richtige Stellung zum Nachladen gezogen.
Die KH selbst sind klein und formschön gestaltet. Fünf Gummi-Aufsätze liegen bei, das sollte für 95 % aller Ohren reichen – außer vielleicht besonders kleine oder große. Während ich zwischen Sony- und Philips-KH immer alle Aufsätze tauschen konnte, sind die EarFun-Aufsätze zu den beiden nicht kompatibel, was ich schade finde, da meine riesige Sammlung so wohl nicht mehr zum Einsatz kommen kann.
Das Gewicht ist niedrig – die KH wiegen pro Stück knapp 6 g, die Box komplett 54 g (zum Vergleich Philips: KH je 9 g, Box komplett 113 g).
Dank umfangreicher CODEC-Unterstützung sind die KH an vielen Quellgeräten optimal nutzbar. Sie funktionieren direkt oder via USB-Sound-Stick Creative BT-W5 perfekt an diversen PCs, aber auch an meinen beiden Android-Mobilgeräten.
Der Klang ist – bei allen Musikrichtungen – erfreulicherweise unverfärbt und neutral. Besonders Sprache/Gesang, Jazz und Klassik – also akustisch dominierte Genres – viel Spaß. Einzelne Instrumente sind klar voneinander getrennt, bei großen Ensembles allerdings nicht ganz so weiträumig, wie bei den absoluten Top-In-Ears (mein alter Philips Fidelio T1 zählte dazu) oder Over-Ears.
Die KH selbst geben alle Frequenzen ohne Ausrutscher nach oben oder unten wieder. Je nach Musikstück mag manchmal der eine oder andere Frequenzbereich zu stark oder zu schwach sein – hier hilft der Equalizer (EQ), der in die App eingebaut ist, feine Korrekturen vorzunehmen.
Per EQ ist auch eine Grundanpassung ans eigene Ohr ist möglich. Im Gegensatz zu EQs in Musikabspiel-Apps wirken diese Einstellungen natürlich global, also auf alle Wiedergabe-Apps, wie z. B. auch beim Video-Streaming. Nun kann ich mir endlich den teils miesen O-Ton der Fernsehsender auf gute Sprachverständlichkeit zurechtbiegen, was in vielen Video-Apps einfach nicht vorgesehen ist.
Das ANC funktioniert – passende Stöpsel vorausgesetzt – für einen In-Ear-KH sehr gut, wenn auch hier vielleicht nicht ganz an die Spitzenklasse oder Über-Ohr-KH heranreichend. Tiefe Frequenzen werden gut, mittlere etwas weniger gut, hohe schwach und höchste Frequenzen kaum unterdrückt. Subjektiv findet dennoch eine deutliche Absenkung der umgebenden Geräuschkulisse statt. Ich kann also gut damit leben, zumal mein alter Philips-KH in dieser Hinsicht eher schlechter war.
Die Angaben des Herstellers zu den Akku-Laufzeiten werden nicht ganz erreicht (allerdings lasse ich meine Akkus aus Gründen der Haltbarkeit auch nie wirklich ganz leerlaufen!) Aber ohne dass ich das jetzt penibel per Stoppuhr nachgemessen hätte, sind vier Videos in Spielfilmlänge und mit eingeschaltetem ANC ein guter Wert. Bei der Ladeschalen-Kapazität sieht es ähnlich aus.
Die App gefällt mir sehr gut, weil man hier viel (und vor allem viel Sinnvolles) einstellen kann.
Die Bedienung an den KH ist über die App gut an eigene Bedürfnisse anpassbar und funktioniert dann auch gut. Während ich beim Philips-KH immer den „sweet spot“ dafür suchen musste, funktioniert dies beim EarFun völlig problemlos. Auch die Lautstärke ist auf diesem Wege einstellbar.
Neutral
Bei eingeschaltetem ANC verändert sich die Klangcharakteristik leider, die tieferen Frequenzen werden verstärkt wiedergegeben, dadurch wirkt das Klangbild deutlich voller (weitergehende Verfärbungen bleiben glücklicherweise aus). Da das ANC für gewöhnlich bei Umgebungslärm zugeschaltet wird, unterstützt dieses Verhalten beim Musikhören allerdings auch den Verdeckungseffekt bei tieferen Frequenzen, so dass Störfrequenzen subjektiv kaum noch wahrgenommen werden. Ähnliches Verhalten habe ich auch schon bei anderen In-Ear-KH mit ANC festgestellt.
Negativ
Die Markierungen an den KH für linken und rechten Kanal sind viel zu klein und unauffällig. Wie wäre es für die Zukunft mit einer farblichen Unterlegung wie dem beispielsweise gängigen rot für rechts?
Fazit
Mit dem EarFun Air Pro 4+ kann man – besonders, wenn einer der zahlreichen Rabatte (meist um 30 %) aufgerufen wird – einen In-Ear-Kopfhörer an der Grenze zur Spitzenklasse zu einem absoluten Schnäppchenpreis erstehen. Klang und Ausstattung sind sehr gut; Design und Handling gefallen mir auch sehr gut, lediglich bei den Materialien wurden Kompromisse eingegangen – aber irgendwoher muss der gute Preis ja kommen. Die Auswirkungen auf die Haltbarkeit muss die Zeit zeigen.
Für die Gesamt-Qualität vergebe ich die Schulnote 2+ (oder vier von fünf Punkten), für das Preisleistungs-Verhältnis eine glatte 1 (oder fünf Punkte).
19.03.2026